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Fakten zum Wohnungsmarkt in der Schweiz

Die Bevölkerung der Schweiz wächst und zum ersten Mal seit zwölf Jahren sinkt die Leerwohnungsziffer. Die Bauausgaben verharrten 2020 auf dem Vorjahresniveau. Die Zahl der Wärmepumpen nimmt seit 2000 stark zu.

September 13, 2021

Gemäss den provisorischen Ergebnissen 2020 der Statistik der Bevölkerung und Haushalte (STATPOP) des Bundesamtes für Statistik (BFS) wuchs die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz per Ende 2020 gegenüber dem Vorjahr um 0.7% oder 61’100 Personen. Am 31. Dezember 2020 umfasste die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz 8'667’100 Personen. Die Bevölkerungszunahme entspricht derjenigen von 2018 und 2019 und ist damit erneut eine der schwächsten der letzten zehn Jahre.

2020 verzeichnete die Schweiz 163’000 Einwanderungen (25’600 schweizerische und 137’400 ausländische Staatsangehörige) sowie 106’500 Auswanderungen (25’800 bzw. 80’700). Der Wanderungssaldo ist nach wie vor positiv (+56’500), doch im Vergleich zu 2019 wurde sowohl bei den Einwanderungen als auch bei den Auswanderungen eine Abnahme registriert (-3.9% bzw. -15.6%).

Das Referenzszenario schreibt die Entwicklungen der letzten Jahre fort und geht von einem anhaltenden Wachstum der Wohnbevölkerung aus, die im Jahr 2050 voraussichtlich etwa 10.4 Millionen Personen umfasst.

Bau- und Wohnungswesen

Die Schweiz ist ein Land von Mietern: 2.3 Millionen Haushalte (60%) lebten Ende 2019 in Mietwohnungen gegenüber 1.4 Millionen Haushalte, die in ihren eigenen Wohnungen/Häusern lebten. Die städtischen Kantone Basel-Stadt (83%) und Genf (78%) weisen den höchsten Anteil an Mietwohnungen auf, die Kantone Appenzell Innerhoden (38%) und Wallis (41%) hingegen die tiefsten. Mieterhaushalte sind vor allem Einpersonenhaushalte (45%) oder Paarhaushalte mit oder ohne Kinder (44%). Diese beiden Haushaltstypen entsprechen 36% bzw. 55% aller Haushalte. 2019 lebten durchschnittlich 2.2 Personen pro Wohnung. 1970 waren es noch 2.9 Personen pro Wohnung.

Die höchsten Mieten waren in den Kantonen Zug, Zürich und Schwyz zu finden, am wenigsten Miete zahlte man in den Kantonen Jura, Neuenburg und Wallis. Knapp die Hälfte aller Mietwohnungen befand sich 2020 im Besitz von Privatpersonen.

Die Bauausgaben verharrten 2020 auf dem Vorjahresniveau, wobei die Bauinvestitionen in Hochbauprojekte gegenüber dem Vorjahr um 1.1% sanken und jene in Tiefbauprojekte sich um 3.2% erhöhten. Die Investitionen in Neubauprojekte nahmen im Jahresvergleich um 0.6% ab und die Investitionssumme in Umbauprojekte stieg gegenüber dem Jahr 2019 um 0.1%. Dabei investierten die öffentlichen Auftraggeber - also Bund, Kantone und Gemeinden - sowohl in den Neubau (+2.4%) wie auch in den Umbau (+1.9%) mehr. Hingegen verringerten die privaten Auftraggeber die Investitionen bei den Umbauprojekten (-1.2%) wie auch bei den Neubauprojekten (-1.3%).

Über ein Drittel (37%) der Gebäude wurde in den letzten rund 39 Jahren, d.h. nach 1980 erstellt. Während 44% der Einfamilienhäuser seit 1981 gebaut wurden, waren es nur 35% bei den Mehrfamilienhäusern. Der Kanton Freiburg verfügt über einen aussergewöhnlich neuen Gebäudepark: 26% der Gebäude stammen aus dem 21. Jahrhundert. Im Gegensatz dazu beträgt der Anteil der in dieser Bauperiode erstellten Gebäude im Kanton Basel-Stadt nur gerade 4%.

Erster Rückgang der Leerwohnungsziffer seit zwölf Jahren

Am 1. Juni 2021 wurden in der Schweiz 71’365 Leerwohnungen gezählt. Die Leerwohnungsziffer ist innert Jahresfrist um 0.18 Prozentpunkte von 1.72% auf 1.54% zurückgegangen. Im Kantonsvergleich lag die tiefste Leerwohnungsziffer im Kanton Zug (0.34%). Auch in den Kantonen Genf (0.51%), Zürich (0.72%), Graubünden (0.87%), Obwalden (0.96%), Basel-Landschaft (0.97%) und Schwyz (0.99%) blieben die Quoten unter der Ein-Prozent-Marke. Trotz einem leichten Rückgang wies der Kanton Solothurn erneut die schweizweit höchste Leerwohnungsziffer (3.15%) aus und war auch der einzige Kanton über der Drei-Prozent-Marke. Hohe Leerstandsquoten waren zudem in den Kantonen Tessin (2.83%), Appenzell Innerrhoden (2.59%) und Jura (2.56%) festzustellen.

In absoluten Zahlen wurden im Vergleich zum Vorjahresstichtag insgesamt 7’467 leer stehende Wohnungen weniger angeboten. Der Leerstand ist in den Kantonen Aargau (-1’724 Einheiten), Bern (-1’366 Einheiten) und Zürich (-1’331 Einheiten) am stärksten zurückgegangen. Die meisten unbesetzten Wohnungen wurden mit 9’312 Einheiten im Kanton Bern gezählt. Der grösste Anstieg von leer stehenden und auf dem Markt angebotenen Wohnungen wurde im Kanton Tessin (+378 Einheiten) festgestellt. Insgesamt nahmen die Leerstände in sechzehn Kantonen ab und in zehn Kantonen zu.

Insgesamt wurden 60’775 unbewohnte Wohnungen zur Miete angeboten (-5'545 bzw. -8.4% im Jahresvergleich). Markant war der Rückgang mit 15.4% bei den angebotenen Eigentumswohnungen. Insgesamt waren am Stichtag noch 10’590 (-1’922 Einheiten) leer stehende Wohnungen zum Kauf ausgeschrieben. Bei 7'066 der total 71'365 Leerwohnungen handelt es sich um Neubauwohnungen (nicht älter als zwei Jahre).

Im Vergleich zum 1. Juni 2020 verringerte sich der Leerwohnungsbestand bei allen Wohnungskategorien (Anzahl Zimmer), ausser den 1-Zimmerwohnungen. Am stärksten nahm das Angebot bei den Grosswohnungen mit vier und mehr Zimmern ab (zwischen -16.5% und -20.7%). Einzig die Zahl der 1-Zimmerwohnungen nahm gegenüber dem Vorjahr leicht zu (559 Einheiten bzw. +9.2%). Die meisten Leerwohnungen haben drei (24’029 Einheiten) oder vier Zimmer (18’919 Einheiten).

Heizsystem und Energieträger

In der Schweiz verfügen nahezu 90% der 1.5 Millionen Wohngebäude, die für mindestens eine Person der Hauptwohnsitz sind, über eine Zentralheizung für ein oder mehrere Gebäude. Weniger als 5% sind an die Fernwärme angeschlossen. Trotz des konstanten Rückgangs der Heizölnutzung werden nahezu zwei Drittel aller Gebäude mit fossilen Energieträgern (Heizöl und Gas) geheizt. Die Zahl der Wärmepumpen nimmt seit 2000 stark zu. Mittlerweile ist fast jedes fünfte Gebäude damit ausgestattet. In 20% der Gebäude werden sekundäre Energieträger für die Heizung genutzt. Dabei handelt es sich mehrheitlich um Holz. Lange Zeit waren Elektrizität und Heizöl die wichtigsten Energieträger für die Warmwasserversorgung. Sie haben in den letzten Jahren zugunsten von Wärmepumpen, Gas und Sonnenkollektoren an Bedeutung verloren.

Weitere Informationen zum Wohnungsmarkt in der Schweiz finden Sie hier:

https://www.jll.ch/de/trends-and-insights/research/snapshot-wohnen