JLL

Jahresbericht 2007

 

 Wenn ein Parteipräsident den Bundesrat seiner eigenen Partei als „Blinddarm“ bezeichnet und ihn öffentlich für „moralisch klinisch tot“ erklärt, dann läuft meiner Meinung nach etwas falsch in einer Partei. Offenbar liege aber ich mit dieser Einschätzung falsch, denn die betreffende Partei gewinnt nach wie vor Wahl um Wahl. Was ist los in der Schweizer Politik? Meine Diagnose ist klar: Respekt und Achtung vor dem politischen Gegner oder sogar dem Parteifreund zählen nichts mehr, sondern stören offenbar nur noch. Diese Entwicklung hat nicht vor einem Jahr begonnen, sondern natürlich früher, aber 2007 hat sich diese Tendenz akzentuiert und offenbart wie noch nie. Mich stört dies. Und mich stört es auch, dass sich nicht mehr Exponenten daran stören. Vorallem Persönlichkeiten in der Kantonalberner oder auch der Langenthaler Sektion der erwähnten Partei, Persönlichkeiten, die wir schätzen, mit denen wir politisch viele Gemein-samkeiten haben und die nun, von Ausnahmen abgesehen, schweigen und staunen -- und schweigen. Darüber staune ich, und ich bin vorallem enttäuscht. Ich ziehe aus dieser Situation den Schluss, dass es richtig ist, wenn die FDP Langenthal selbstbewusst und unabhängig, ohne Listenverbindung mit SVP oder EVP, „nur“ mit uns Jungliberalen, in die Gemeindewahlen steigt. Ich werde mich als Präsident der Jungliberalen dafür einsetzen, dass die FDP -- und wir -- auf dieser Fahrt nicht Schiffbruch erleiden. Kurz gesagt: Wir sitzen im selben Boot, aber nicht auf dem falschen Dampfer. Soviel zu Beginn zur aktuellen Lage an der „Front“, blicken wir aber nun etwas zurück:

 

 

Die Jungliberalen waren seit der letzten Hauptversammlung sehr aktiv. Bereits im Juni führten wir unseren „Stamm“ in Form eines Rasenkart-Rennens auf Wäckerschwend durch. Dabei musste festgestellt werden, dass einige Parteimitglieder mehr durch Tempobolzerei anstatt durch Sorgfalt und Rücksichtnahme beim Bewältigen des Slalom-Parcours auffielen. Ich hoffe immerhin, dass dies nicht auf die politischen Aktivitäten dieser Personen durchschlägt.

 

Einen hochkarätigen Gast durften wir im August bei uns begrüssen. Trotz seiner übervollen Agenda fand Johann-Niklaus Schneider-Ammann zu Beginn des Nationalratswahlkampfs einen Abend, den er nur uns widmete. Es war ein wirklich spannendes Gespräch. Beschäftigt hat mich im Nachhinein der Umstand, dass wir an jenem Abend ungeschminkt feststellen mussten, dass der Freisinn im Bereich Umwelt und Klima offensichtlich programmatischen Nachholbedarf hat, dass dazu bisher bei uns kaum Greifbares vorhanden ist. Am gleichen Abend wurde das Sommerkino in der Märitgasse notfallmässig geräumt, denn nach heftigen Gewittern war beinahe ein Notablass der Langeten durchs die Gassen Langenthals nötig, wie wir Älteren unter den Jungliberalen ihn noch bestens aus Kindheitserinnerungen kennen und wie er bereits im Juni 2007 überraschend wieder hatte vorgenommen werden müssen -- nachdem im Jahr 1991, bei Inbetriebnahme des Hochwasserstollens, die Meinung vorgeherrscht hatte, ein solcher Notablass werde höchstens noch einmal in 100 Jahren nötig sein; nun waren es nur gerade 16 Jahre. Ebenfalls in der gleichen Nacht führte die Aare soviel Wasser wie noch nie seit Messbeginn 1918 und verwüstete Olten und den halben Aargau. Ich stand damals nachts um ein Uhr beim Kraft-werk Bannwil, und angesichts der Naturgewalten -- niemand hatte eine solche Wasserführung der Aare bisher für möglich gehalten -- habe ich mich schon gefragt, was da noch auf uns zukommt, in welcher Form die Natur in den nächsten Jahrzehnten dem Menschen -- auch in der Schweiz -- noch den Meister zeigen wird. Als Fazit bleibt für mich jedenfalls der klare Gedanke, dass der Freisinn Umweltthemen nicht den Grünen überlassen darf -- denn diese betreiben nämlich in erster Linie dunkelrote Politik -- und übrigens auch nicht den Grünliberalen, sonst werden diese uns noch gehörig das Wasser abgraben.

 

Einen Monat später führten wir einen weiteren Stamm mit Enrico Casanovas durch, Thema waren dabei in erster Linie die eidgenössischen Wahlen. Enrico Casanovas hat sein Comeback in der Langenthaler Politik noch verschoben, immerhin dürfen wir aber heute seinen Sohn Nicolas als neues jll-Mitglied aufnehmen.

Die National- und Ständeratswahlen verliefen aus unserer Sicht sehr erfreulich. Die Jungliberalen Langenthal holten nämlich Gold und Silber: Christine Bobst mit 5551 Stimmen und Patric Oppong mit 4622 Stimmen belegten auf der Nationalratswahlliste der Jungfreisinnigen Kanton Bern die Plätze 1 und 2: Herzliche Gratulation. Olivier Andres rundete das starke jll-Resultat ab, siegte in seiner Heimatgemeinde Wangen an der Aare deutlich und trug so dazu bei, dass wir -- wie es sich gehört -- in den Ämtern Aarwangen und Wangen zusammengezählt auf der jf-Liste sogar geschlossen die Plätze 1 bis 3 belegten, eben mit Christine Bobst, Patric Oppong und Olivier Andres. Ein grosses Merci für Euren Einsatz.

 

Auch die FDP Kanton Bern hat übrigens die Nationalratswahlen gewonnen, sie konnte ihren Wähleranteil steigern, ein Umstand, der in den Medien kaum Beachtung fand. Dort las und liest man nur immer von Niederlagen und von der Verliererpartei FDP. Aber das ist eben nicht die ganze Wahrheit. Tatsächlich verloren hat jedoch Dora Andres im Ständeratswahlkampf, und dies, obschon wir offensiv Wahlkampf für und mit ihr betrieben hatten. Am 22. September 2007 haben wir wie jedes Jahr am Vormittag die Delegiertenversammlung der Jungfreisinnigen Kanton Bern in Langenthal durchgeführt. Anstatt aber wie sonst üblich am Nachmittag eine Pool-Party zu feiern, brieten wir mit Dora Andres vor dem Choufhüsi Cipollata und machten die Langenthaler-innen und Langenthaler auf die Wahlen „gluschtig“. Schade, dass Dora Andres trotzdem zu wenig mobilisieren konnte und nicht gewählt wurde.

 

Wiederum kulinarisch betätigten wir uns im Dezember mit dem ebenfalls traditionellen Chlous-Stamm mit Raclette, zu dem wir auch den Kantonalvorstand der Jungfreisinnigen Kanton Bern eingeladen hatten. Es war ein rundum gelungener Anlass, bestimmt ging niemand mit Hunger nach Hause. Wir werden den Chlous-Stamm auch heuer wieder durchführen.

 

Nebst erfolgreichen Anlässen blieben wir aber auch vom Pech nicht ganz verschont. Das Skiweekend, das wir erstmals kombiniert zwischen Jungfreisinnigen Kanton Bern und Jung-liberalen Langenthal durchführten, war gelinde gesagt vom Wetter nicht begünstigt. Am Samstag goss es wie aus Kübeln, so dass wir erst am Nachmittag in Richtung Lenk starteten, am Abend aber immerhin ein köstliches Fondue in der „Wallegg“ geniessen konnten. Am Sonntag waren die Pisten so durchweicht, dass wir das Experiment nach einer Probefahrt abbrachen.

 

Ein Grosserfolg war hingegen der erst kürzlich durchgeführte Anlass zum Thema „Sicherheit an der Euro 08“. Rund 50 Personen verfolgten auf der Rankmatte die Referate und die anschliessende Debatte der fünf eingeladenen Experten. An dieser Stelle sei nochmals das grosse Engagement von Christine Bobst zugunsten dieses Anlasses verdankt.

 

Beträchtlichen Zeitaufwand erforderte im vergangenen Jahr das Schulprojekt der Oberaargauer Jungparteien. Das Jugendparlament Oberaargau, die JUSO, die Junge SVP und wir Jungliberalen bieten der Lehrerschaft drei verschiedene Module zur Gestaltung von Polit-Unterricht an. Bisher haben wir neun Schulklassen oder Klassenverbände besucht, die Erfahrungen und das Echo waren durchwegs gut bis in mehreren Fällen sogar sehr gut. Für die Mithilfe bei diesem meines Erachtens wichtigen Projekt möchte ich Olivier Andres, Marco Pagani -- der die jll bereits einmal vertreten hat, noch bevor er offiziell Mitglied wurde -- sowie Bernhard Eicher von den Jungfreisinnigen Stadt Bern -- der weil von den jll niemand abkömmlich war, den Weg aus der Hauptstadt in den wilden Osten des Kantons nicht gescheut hat -- herzlich danken.

 

Ebenfalls viel Zeit investiert haben Adrian Dinkelmann und Christine Bobst in die Gestaltung unserer neuen Homepage. Nachdem sich das Experiment mit dem Auslagern der Homepage-Betreuung an eine Privatperson nicht bewährt hat, haben Adi und Chrigi die Sache in die Hände genommen und einen neuen Web-Auftritt der Jungliberalen realisiert. www.jll.ch ist nun wieder ansprechend und vor allem aktuell, es lohnt sich, die Page einmal zu besuchen.

 

In den letzten Monaten haben uns bereits vor allem die Vorbereitungen für die Langenthaler Wahlen vom 25. und 26. Oktober 2008 in Atem gehalten, ich habe zu Beginn schon einige Stichworte erwähnt. An dieser Stelle sei aber noch nicht allzuviel verraten, die Gemeindewahlen werden in einem Jahr den Jahresbericht 2008 prägen, dann ist es Zeit für die Analyse.

 

Erfreulich hat sich die Mitgliederzahl der jll entwickelt, wir können heute an der Haupt-versammlung fünf Aktivmitglieder und ein Passivmitglied neu aufnehmen, schon jetzt sage ich: Willkommen!

 

Zum Schluss möchte ich dem Vorstand herzlich danken für sein Engagement und seine Motivation. Ich bin sehr froh, dass alle tatkräftig am selben Strick ziehen und ihre Aufgaben zuverlässig erfüllen. Was natürlich auch uns zu schaffen macht, ist der volle Terminkalender aller Vorstandsmitglieder, so dass es häufig eine Gratwanderung ist, eine Sitzung zu verschieben oder neu anzusetzen.

 

Ebenfalls danken möchte ich der FDP Langenthal, speziell dem Präsidenten Ruedi Lanz und der heute anwesenden Vizepräsidentin Beatrice Lüthi. Ich darf feststellen, dass die Kommunikation gut klappt und wir gerade im Hinblick auf die Wahlen die anstehenden Fragen jeweils un-kompliziert gemeinsam besprechen können und uns, was nicht unwichtig ist, meistens auch einig sind oder werden.

 

Merci für die Aufmerksamkeit.                                                          

 

Der Präsident: Pascal Dietrich